Hindernismeister bei Karlsruher Laufnacht gesucht
„Karlsruhe, da muss man hin“ heißt die Devise in der Laufszene. „Einzigartig“, sagt auch Jack Müller, Verbandstrainer in Württemberg und Sportchef bei der LG farbtex Nordschwarzwald. Die Laufnacht sei der legitime Nachfolger des Koblenzer Meeting auf dem Oberwerth. Zusammen mit dem „Internationalen KOST Läufermeeting“ in Pliezhausen und der „Merck-Laufgala“ in Pfungstadt ist die „PUMA NITRO Lange Laufnacht“ in Karlsruhe derzeit wohl das Aushängeschild in der Laufszene. „Pliezhausen ist schon Tradition, Karlsruhe die Perle in der Laufszene“, lobt dann auch Trainer-Legende Wolfgang Heinig (Erbach), „was die in Karlsruhe auf die Beine stellen, ist schon richtig gut“.
Die Zahlen bei der Jubiläums-Nacht am 30. Mai 2026 sind rekordverdächtig: 1.156 Teilnehmer stehen in den Meldelisten, damit ist Karlsruhe das wohl größte Bahnmeeting im Laufbereich in Deutschland. Die Disziplin-Pakete haben es in sich: Sage und schreibe 416 Läuferinnen und Läufer nehmen 800 Meter in Angriff, 384 die 1.500 Meter, 292 die 5.000 Meter und 104 die Hindernisse.
64 Rennen mit 64 Tempomachern
Was macht die Karlsruher Laufnacht aus? „Da ist ein junges aufstrebendes Team am Werk, das für die Leichtathletik brennt“, sagt Sprecher Andreas Möckel aus Erfurt, der seit einigen Jahren am Mikrofon Teil der Organisation ist. Nahezu einmalig sei die Situation mit den Tempomachern. „64 Rennen mit 64 Tempomachern, das ist einmalig“ weiß Möckel, und gemeinsam mit diesen „Pacemakern“ gestaltet er dann die Rennen. Für den sportlichen Leiter Simon Stützel ist es eine Sisyphus-Arbeit, das Puzzle eines kompletten Tempomacher-Plans zu erstellen. Da freut er sich, wenn sich auch Meeting-Rekordhalterin Olivia Gürth als Tempomacherin über die Hindernisse in den Dienst der Sache stellt.
Karlsruhe lebt nicht nur von den Tempomachern, sondern auch von der Stimmung im Stadion. Dabei gibt es zwei Besonderheiten. Auf der Zielgeraden stehen die Zuschauer auf Bahn vier und feuern die Läuferinnen und Läufer hautnah an. Da springt der Funke über. Die schnellen Zeiten sind ein Ergebnis dieser fast einmaligen Konstellation. Auf der Gegengerade überspannt ein etwa 20 Meter langes Zelt die Laufbahn, durch das die Läufer hindurchlaufen. Und auch dort sind Zuschauer ganz dicht dabei auf der Bahn. Am Wassergraben treiben Trommler die Läufer über das Hindernis.
40 Nationen im Vorjahr am Start
„Diese Atmosphäre ist unvergleichbar“, hat auch Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier) bei ihrem Meetingrekord über 3.000 Meter Hindernis (9:33,06 min) erfahren können. „Die Leute wollen uns hier laufen sehen, das ist eine elektrisierende Atmosphäre“, sagt der englische Hindernisläufer und Olympiateilnehmer Phil Norman. Eines der Highlights in der Karlsruher Nacht hat Konstanze Klosterhalfen 2017 geliefert, als sie den deutschen U23-Rekord über 5000 Meter (14:51,38 Min.) aufgestellt hatte. Majtie Kohlberg (LG Kreis Ahrweiler) lief 2024 den bis heute gültigen Meetingrekord über 800 Meter (2:00,88 min).
In den Teilnehmerlisten für 2026 steht der australische Shootingstar Cameron Myers. Der 19-Jährige Ozeanien-Sieger und U20-Vize-Weltmeister (Bestzeiten 3:29,80/7:33,12 min) schickt sich an, in die absolute Weltspitze vorzustoßen. 10.000-Meter-Europameister Dominic Lobalu (Schweiz) kehrt in seiner EM-Vorbereitung für Birmingham nach seinem ersten Start in Karlsruhe erneut ins Carl Kaufmann-Stadion zurück. Und auch Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen), 800-Meter-Aufsteiger des Vorjahres, steigt in der Laufnacht in die Saison ein.
Tolles Team setzt Idee aus Belgien um
Die Rekordzahlen sind eine Herausforderung für die Organisatoren. „Wir haben ein tolles Team“, sagt Simon Stützel. Mit der ehemaligen Hindernisläuferin Johanna Flacke (Finanzen), Yannick Probst (Vermarktung, Medien), Michaela Stützel (Event- und Wettkampf-Organisation) sowie Patrick Scheef (Wettkampfbüro) stehen durchweg aktive oder ehemalige Athleten in Funktionen.
Die Idee für die Laufnacht entstand übrigens im belgischen Oordegem. Dort ist das beliebteste Laufevent in Europa zuhause, das inzwischen in Brüssel stattfindet. Dies als Vorbild für Karlsruhe zu übertragen, ist den Gründern Günter Scheefer, Jannik Arbogast und Simon Stützel wohl gelungen. Allein die Tatsache, dass die Stadt Karlsruhe ihren Zuschuss (im Vorjahr 22.000 Euro) aus der allgemeinen Finanzmisere heraus gestrichen hat, schmerzt.
Dennoch werden die Lichter an der Laufnacht wieder hell über das Läufervolk strahlen.